Ortschaftsanzeiger Grüna / Mittelbach

 

Baumgarten

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Wie war es früher?

Der Heimatverein unterhält sich mit älteren Grünaern:

Im Gespräch mit Werner Gerlach
Im Gespräch mit Karla Krahmer
Im Gespräch mit Gunther und Bernhard Köhler
Im Gespräch mit Lotte Schroth
Im Gespräch mit Heinz Ullrich
Im Gespräch mit Hans May und Brunhilde Richtsteiger
Im Gespräch mit Herta Krumbiegel
Im Gespräch mit Herbert Bauer
Im Gespräch mit Mario und Herbert Lorenz
Im Gespräch mit Roland Nestler
Im Gespräch mit Jochen Dickert
Im Gespräch mit Marianne Dell‘Agnese
Im Gespräch mit Walter Semmler
Im Gespräch mit Rolf Frenzel

Veranstaltungen

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Vor 60 Jahren:

Die Anfänge des Kinder- und Schulhortes in Grüna

 

Im Juni 2016 feierten Erzieherinnen, Lehrkräfte, Schüler mit Eltern und Großeltern (darunter viele ehemalige „Hortkinder") das 60jährige Bestehen des Grünaer Kinder- und Schulhortes. Aber wer erinnert sich noch an die Anfänge?

Grüna hatte nach dem 2. Weltkrieg eine Grundschule (zunächst nur bis zur 8. Klasse) und einen Kindergarten. Im Rahmen des Aufbaus des neuen Schulsystems in der DDR gab es zwei wesentliche Punkte, zu deren Verwirklichung die Gemeinden und Schulbehörden entsprechend der Beschlüsse und Verordnungen von Partei und Regierung verpflichtet waren. Zum einen betraf das die Einführung des polytechnischen Unterrichts und zum anderen die Bildung von „Kinder und Schulhorten", beides als Teil der planmäßigen Erziehung der Kinder.

Das erste Hortgebäude Karl-Marx-Straße 84 – Aufnahme aus den 70er Jahren


Die Errichtung eines Kinder- und Schulhortes erwies sich in Grüna als sehr schwierig. In dem Schulgebäude Chemnitzer Straße 83 bestand keine Möglichkeit. Für 20 Klassen mit 620 Schülern standen nur 16 Klassenzimmer zur Verfügung.

Die Gemeindevertreter sahen zunächst nur die Möglichkeit, in der Nähe der Schule eine Baracke zu errichten. Schuldirektor Samusch hatte in der Gemeindevertretersitzung im März 1956 eindringlich darauf hingewiesen, dass ausgehend von den Orientierungen der Partei die Erziehungs- und Bildungsarbeit weiter verbessert werden muss. Dann ergab sich die Gelegenheit, das frei gewordene Gebäude der früheren Trikotagenfabrik Hartig Karl-Marx-Straße 84 (jetzt Chemnitzer Straße 84) zu nutzen. Nach Abschluss eines Mietvertrages mit Hartigs Erben gilt der 1. Juli 1956 als Gründungstermin für den ersten Kinder- und Schulhort in Grüna. Der Anfang war gemacht.

Der Ausbau des Gebäudes musste weitgehend in freiwilliger Tätigkeit im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes (NAW) und mit Unterstützung der Gemeinde und der Betriebe erfolgen. Im Gebäude wurden die zwei größeren Zimmer (69 bzw. 74 qm) als Werkräume für den polytechnischen Unterricht – als „Kernfrage" für die Weiterentwicklung des Schulwesens auf dem V. Parteitag der SED 1958 bezeichnet – genutzt. Die Schulleitung erwog auch, die Schulküche im Gebäude mit unterzubringen. Dafür musste der einzigen Mieterin eine neue Wohnung zugeteilt werden. Die Küche hatte nur 25 qm Grundfläche einschließlich der notwendigen Vorratsräume, keinen Speiseraum. Die Horträume reichten mit 25 und 36 qm Grundfläche und damit höchstens 35 Plätzen nur für die Kinder der ersten beiden Schuljahre. Aber schon bald mussten 40 bis 45 Schüler betreut werden.

Von der Grundsubstanz her war das Gebäude keine Dauerlösung. Die Heizungsanlage reichte nicht in den Wintermonaten, die Lichtverhältnisse wurden als unzureichend beschrieben, die Toiletten (Aborte) genügten nicht den hygienischen Anforderungen.

Im Volkswirtschaftsplan des Landkreises Karl-Marx-Stadt wurde 1959 eine systematische Verbesserung der Arbeit in den Schulhorten und Kindergärten zur Unterstützung der werktätigen Mütter gefordert. Die Horterzieherinnen und Kindergärtnerinnen sollten qualifiziert und die Lehrer bei der Betreuung der Hortkinder und Schüler in den Hausaufgabenzimmern mit eingesetzt werden. Für die Gemeinde Grüna hatte man im Jahr 1959 eine Auslastung von 60 Hortplätzen und bis 1965 sogar eine Hortkapazität von 150 Kindern und Schülern vorgesehen.

Mehrere Grünaer Betriebe forderten 1959 die Errichtung eines größeren Kinder- und Schulhortes einschließlich Schulküche, um zur Erfüllung ihrer Produktionspläne mehr Frauen einstellen zu können, die auf Grund der Betreuung ihrer Kinder dem Betrieb ihre Arbeitskraft noch nicht zur Verfügung stellen konnten. Die Belegschaften verpflichteten sich, freiwillige Arbeitsstunden und andere Unterstützung zu leisten – auch in Erwartung, einige Anrechtsplätze zur Aufnahme von Kindern im Hort für die zu beschäftigenden Frauen zugeteilt zu bekommen. In den Betrieben der DDR wurden dringend Arbeitskräfte, in den Textilbetrieben vor allem Frauen, gebraucht.

So begann man in Grüna 1959, den Kinder- und Schulhort in das Gebäude der ehemaligen Handschuhfabrik Emil Clauß Karl-MarxStraße 98 (nach 1994 Hotel „Grünaer Hof") zu verlegen. Dieser Hort mit seinen Freizeitangeboten ist vielen noch in bester Erinnerung.

 

Christoph Ehrhardt

Ortschronist

Quellen: Stadtarchiv Chemnitz, Bestand Grüna, Ablieferungsverzeichnisse Nr. 10, 13 und 323