The neverending Story –

eine wahre Geschichte aus der Chemnitzer 109...

Es war einmal, so beginnen alle Märchen, welche wir aus den ganz alten verstaubten Büchern noch kennen und wo bekanntlich sich alles für die gute Seite entscheidet.

Es war einmal vor genau zwei Jahren oder sagen wir vor 24 Monaten oder gar 730 Tagen, 17520 Stunden... (das klingt noch länger), da bewerkstelligte der Ortschaftsrat am Schreibtisch des Ortsvorstehers (hier merkt man, dass die Figuren im Gegensatz zu früher auch modernere Namen haben) einen Computeranschluss mittels 4m Kabel für genau 36 Euro, damit die Mitarbeiterin im Nachbarzimmer, welche für den Ortschaftsrat tätig ist, unabhängig vom Ortsvorsteher ihre Arbeit für die Stadt der Moderne erledigen kann. Vorausgegangen waren unendliche Brieftauben zwischen Grüna und Chemnitz für die Klärung der Grundvoraussetzungen, da man in der Moderne der Auffassung war, man müsste eine aufwendige Kabelinstallation im Haus vom Erdgeschoß in den ersten Stock vornehmen. Damit verbunden waren auch viele Besuche von eifrigen Handwerkern, um diverse Kostenvoranschläge für die klamme Stadtkasse zu erstellen.

Bis, und hier siegte das Gute über das Böse - man auf den Ortschaftsrat und sein Gefolge hörte, weil diese sich in ihrem Schloss ja besser mit den Gegebenheiten auskennen als andere in ihrem weit entfernten Königreich. Nun - stolz brachte der Ortsvorsteher einen alten, klapprigen Monitor (eine Tastatur in sächsisch wurde von einem befreundeten Radiosender herbeigeschafft) und seinen alten Rechner mit und weihte diese in einer Feierstunde im engsten Kreise (er war alleine) bei einer Flasche stillen Mineralwassers erfreut ein. Er war so glücklich in seinem Schloss, denn er war endlich drin! und das für nur 36 Euro, welche das Königreich in so schlechten Zeiten belasteten, weil es ja Kostenvoranschläge im vierstelligen Bereich erhielt. Nun, man konnte endlich ganz modern seine Arbeit erledigen und alles ging schneller, die ersparte Zeit konnte zu Lösung neuer Probleme verwendet werden.

Bis zum Tag X, denn da verkündete ein Abgesandter des Königreiches die wundersame Botschaft - der private Rechner des Ortsvorstehers darf nicht im Rathaus zur Erledigung seiner Dienste zum Wohle des Volkes verwendet werden. Traurig mit Tränen in den Augen nahm der Ortsvorsteher seinen Rechner, sattelte sein weißes Pferd und ritt zurück nach Hause, wo er wehmütig der guten Zeiten gedachte. Denn fortan saß man wieder zu zweit im Vorzimmer an einem Rechner, mit einer Tastatur und einem Bildschirm und würfelte zu Arbeitsbeginn, wer wohl als erster das gnädige Teil nutzen darf. Bis zur heutigen Zeit vergingen viele fehlgeschlagene Versuche mit der Bitte, einen ausrangierten Rechner der Stadtverwaltung bereitzustellen. Dies wurde mehrmals unterstrichen bei Gesprächen im Chemnitzer Königreich an den obersten Stellen, und Nachdruck wurde auch mehrmals verliehen durch verschiedene Fraktionen und Besuche in der Sprechstunde unserer Königin äh ... Oberbürgermeisterin – mit Erfolg!!! Es soll kurzfristig ein alter Rechner bereitgestellt werden - das ist nun leider schon wieder paar Monate her, aber man ist ja geduldig, wenn es um Einsparung von Kosten geht.

Bis vor kurzem eine Brieftaube dem Ortsvorsteher zuflog ... Freudig öffnete er das Fenster und bedankte sich bei ihr, bevor er die Botschaft (vorsichtshalber hatte er sich dazu in seinem Amtssessel zum Schmökern niedergelassen) langsam und bedacht Silbe für Silbe, Wort für Wort in sich sacken ließ: "Bitte entschuldige, dass ich deine Anfrage vom Frühjahr wegen des PC im Ortschaftsrat Grüna noch nicht beantwortet habe. Ich hatte damals eine Anfrage an unsere Geschäftsstelle des Stadtrates bzw. ans Orga - Amt gestellt. Da solange keine Antwort kam (die Brieftauben waren vermutlich alle) ist es mir leider auch weggerutscht. ... Ungünstig ist nun, dass die Zimmer der Bürgerservicestelle und des Ortschaftsrates auf unterschiedlichen Etagen liegen. Deshalb wird geprüft, ob eventuell ein Umzug innerhalb des Rathauses möglich ist. Unser Orga - Amt ist auch direkt mit Herrn Neubert im Kontakt (scheinbar schreibt man mir Emails - aber ich kann sie ja nicht lesen, weil ich keinen Rechner habe), um eine Lösung zu finden. Die Anschaffung eines weiteren PCs ist nicht möglich. Ich wünsche Dir einen schönen Sommer..."

Immer in der Hoffnung, dass das Gute noch siegt, putze ich tagtäglich das Kabel für 36 Euro, meinen Bildschirm und die Tastatur. Wenn hoher Besuch kommt, klicke ich immer mit der Maus, das sieht so aus, als würde alles funktionieren und macht ordentlich Eindruck auf die Leute, welche am anderen Ende des Tisches sitzen - um einen Umzug innerhalb unseres Schlosses im Königreich zu vermeiden.

Mit freundlichen Grüßen

Euer König, äh Lutz aus dem Schloss der Chemnitzer 109

(wo sich bald wieder die Pyramide dreht - die Macher selbiger wussten schon, warum sie Märchenfiguren darauf gestellt haben...)