Es grünt so grün in Grüna ...


... und manchmal mehr und schneller, als einem lieb ist, zumal in so einem „Dschungel-Sommer", wie der diesjährige in den Medien genannt wird. Da weiß der Grundstücksbesitzer, was zu tun ist: Er wirft den Rasenmäher an, oder die Heckenschere, und rückt der Grünen Hölle zuleibe. Das ist jedenfalls die Regel, sofern der Eigentümer nicht gerade weit weg wohnt und mit Grüna nix am Hut hat (siehe Bild) oder Insolvenzverwalter heißt.
Nun gibt es auch einige Grundstücke im Ort, die mal der Gemeinde gehörten und nun der Stadt (nicht im Bild). Mal ist es eine große Wiese, mal ein Park mit Spielplatz, oder ein Denkmal, und mal eine ganz kleine übriggebliebene Ecke zwischen Fußweg und Gartenzaun. Für die meisten dieser Grünflächen ist – na klar – das Grünflächenamt der Stadt zuständig. Alle Flächen sind dort genau registriert und die Pflege ist vertraglich an entsprechende Fachfirmen vergeben. So weit, so gut.

Problem Nr. 1, das wird Niemanden überraschen, ist das Geld, genauer gesagt, das nicht vorhandene Geld. Da ist die Stadt nicht nur gezwungen, die billigste Firma zu nehmen (das schreibt das Vergaberecht vor; privat würde man sich ja für den preiswertesten Anbieter entscheiden) - sie ist auch gezwungen (Problem Nr. 2), die vertraglichen Arbeitsgänge so weit zu reduzieren, dass zumindest bis zum Jahresende mal jemand da war und eine totale Verwilderung nicht eintritt. Ein gepflegtes Aussehen, noch dazu über das ganze Jahr, ist bei diesem Budget nicht drin. Das Amt würde ja gern, wenn es das Geld hätte, aber der Stadtrat habe nun mal die Kürzungen beschlossen. Der Stadtrat würde natürlich auch liebend gern mehr Geld verteilen – da beißt sich die Katz in den Schwanz. (Dass bei Verzicht auf teure Prestigeobjekte die Situation deutlich entspannter wäre, steht auf einem anderen Blatt.)

Dem Bürger fehlt manchmal leider das Verständnis für die Notlagen der Stadtverwaltung: Er will ein ordentliches Ortsbild und sieht partout nicht ein, warum man das denn nicht besser organisieren kann, z. B. durch eine Firma, die im Ort ansässig ist, kurze Wege hat (Kosten!!) und dann mäht und schneidet, wenn's nötig ist, und nicht, wenn's im Kalender steht (denn Gras und Büsche wachsen nun mal nach der Witterung). Und eine örtlich bekannte Firma könnte es sich gar nicht leisten, nach schlampiger Arbeit anonym zu entschwinden, bis zum nächsten Jahr ... Aber auch hier schiebt das Vergaberecht einen Riegel vor – sagt die Stadt. Was denn die Sächsische Gemeindeordnung eigentlich meint mit „...entscheidet der Ortschaftsrat ..." über „... die Pflege des Ortsbildes sowie die Unterhaltung und Ausgestaltung der öffentlichen Park- und Grünanlagen ...", und wie man das Gesetz für eine effektive Dezentralisierung der Grünpflege nutzen könnte, ist wahrscheinlich noch nie ernsthaft überlegt worden (und wohl auch nicht gewollt).


Die Grüne Au: Name verpflichtet

Was weiterhin nicht einzusehen ist, da sind sich die Ortschaftsräte schon immer einig: Warum kann dann nicht wenigstens der örtliche Bauhof mehr Aufgaben in Grüna übernehmen, anstatt in der halben Stadt herumgeschickt zu werden? Krassestes Beispiel: Das Rathausgelände, wo der Bauhof seinen Sitz hat, ist im Winter eine der am schlechtesten beräumten Stellen im Ort, einschließlich der Rathaustreppe (muss da erst jemand stürzen?). Der Winterdienst für kommunale Objekte ist aber nicht nach Orten vergeben, sondern z. B. nach Rathäusern ... Eine bedarfsgerechte Ausführung kannste da vergessen. Begründung der Verwaltung: Der Bauhof (zum Tiefbauamt gehörend) ist viel zu teuer gegenüber den Privatfirmen. Vielleicht sollte man die Kalkulation nochmal prüfen und vor allem Eines nicht vergessen: Was bekomme ich für's Geld? Preiswert oder nur billig? – Das Problem wurde erneut beim Treffen aller Ortsvorsteher bei der Oberbürgermeisterin am 12. Juni angesprochen, vor allem von Grüna und Röhrsdorf, und am 29. Juni gab es dazu ein Folgegespräch mit den zuständigen Leitern. Wir bleiben dran, doch die Mühlen ...

Zurück zum Grün. Problem Nr. 3: Die Kontrolle wenigstens der vertragsgemäßen Ausführung der Pflegearbeiten. Da gibt's nur eine einzige Planstelle fürs ganze Stadtgebiet, und so stehen die Chancen nicht schlecht, dass auch sehr „eilige" Pflegefirmen trotz Pfusch ihr Geld bekommen. Anders könnten sie ihre Dumping-Angebote wohl auch gar nicht abgeben. Und was haben sie zu befürchten? Wenn eine schlimme Schlamperei nachgewiesen wird, gibt's 'ne Abmahnung, wenn das nicht hilft, die Kündigung. Bei der nächsten Ausschreibung muss die Stadt die selbe Firma wieder nehmen, wenn sie das billigste (nicht preiswerteste, man kann es wohl nicht oft genug sagen) Angebot abgibt.

Mancher Bürger findet sich damit nicht ab und schiebt etwas an, so zur letzten Jahresversammlung der Freien Wähler Grüna. Leider waren es nicht die Ortschaftsräte, meine Person eingeschlossen, sondern ehemalige Gemeinderäte. Die Dokumentation eines Ortsrundgangs in Wort und Bild zeigte bereits Ende April deutlichen Handlungsbedarf, zunächst für die Beseitigung des Herbst- und Winterdrecks und diverser Hinterlassenschaften gedan­kenloser Zeitgenossen. Die spontane Idee, selbst Hand anzulegen, wich dann aber der Überlegung: Warum denen die Arbeit wegnehmen, die dafür bezahlt werden?

Nach etwas zähem Schriftverkehr mit dem Grünflächenamt gab es dann am 9. Juli einen Ortstermin mit dessen Leiterin Frau Heinze und dem Abteilungsleiter Herrn Streich, Herrn Wirth (Ortschafts- und Stadtrat), und dem Verfasser dieser Zeilen. Alle „amtlichen" Grünflächen wurden auf ihren vertragsgemäßen Pflegezustand hin begutachtet und die Abweichungen notiert. Als erster (Fort-)Schritt wurde Folgendes vereinbart:

- Das Amt prüft, ob der am 9.7. festgestellte Zustand dem Vertrag mit der Pflegefirma entspricht (ja, es sei eine einzige Firma für ganz Grüna, und die käme aus der Region, und nicht etwa von weit her), und ob dieser Vertrag alle nötigen Arbeitsgänge (im Rahmen des Budgets) beinhaltet.

- Der Ortschaftsrat übernimmt die Kontrolle der künftigen Grünanlagenpflege und meldet Versäumnisse und Mängel regelmäßig an das Grünflächenamt. Dazu erhalten wir eine Aufstellung der Arbeitsgänge und Termine.

- Das Amt ist gern bereit, Grünflächen kostenlos zu verpachten. Dies ist z. B. dann sinnvoll, wenn es sich um eine kleine Ecke handelt, die ein Anlieger im eigenen Interesse mit mähen und pflegen würde, damit es vor seinem Haus ordentlicher aussieht. Oder wenn es eine Wiese ist, auf der man Grünschnitt oder Heu ernten kann. Der Ortschaftsrat bietet sich hier als Vermittler an.

- Das Amt prüft (leider nicht zum ersten Mal), ob die Ausschreibung für den Bolzplatz an der Bergstraße dem Zweck dieses Platzes entspricht, und ob nicht früher und öfter dort gemäht werden müsste. Ein offizieller Pflegevertrag mit den Nutzern des Bolzplatzes wäre leider ein bürokratisch-juristisches Monster.

Liebe Grünaer Leser, halten Sie weiterhin die Augen offen, sprechen Sie mit dem Ortschaftsrat oder dem Ortsvorsteher, und melden Sie sich bitte, wenn Sie (im eigenen Interesse) eine „städtische" Grünfläche kostenlos pachten möchten.

Fritz Stengel