Vielfältiges Dorfleben – aber ich bin mal kurz weg…


Vor kurzem führte mich der Weg zu einem in Grüna ansässigen Kreditinstitut mit neuer Leuchtreklame. im Kopf die Zahlen des Kontostandes zur 750-Jahrfeier, welche noch keinen großen Freudensprung zulassen, aber dennoch optimistisch, und danach zum Rathaus, um mich auf ein Gespräch mit unserer Oberbürgermeisterin vorzubereiten. Da schallte es über den Parkplatz: “Taaach Herr Ortsvorsteheeeer (kurze Pause und dann etwas kräftiger in der Artikulation) - der kennt woo ooch keen mehr jetzt!!!!“ Upps - ich drehte mich erschrocken um und ließ das Gesichtskataster unserer 6000 Einwohner gedanklich vor mir herunter rasseln.

Peinlich und „Tschuldigung!“ rufend kamen die ersten ernsten Gedanken: Werde ich jetzt in meinem Ehrenamt gestürzt? Was soll ich mit der ganzen Zeit anstellen? Wie kann ich nur das viele Geld ausgeben, was ich als Abfindung wie in der großen Politik für drei Jahre nicht(!) erhalte? Werde ich es Frau Mössinger spenden für die Kunstsammlungen (ein neues Gemälde) oder gleich ein neues Museum an Land holen? Kaufe ich mir einen eigenen Zug, um endlich bessere  Fahrzeiten zu haben, verbunden mit einer besseren Fernanbindung? Oder bezahle ich eine neue Mehrzweckhalle für Grüna, damit die Handballer endlich hier wieder Punktspiele tätigen können und wir etwas für größere Festlichkeiten haben…

Fragen über Fragen … Ich gelobte Besserung und versuchte mich auf dem Friedhof mit Wiedergutmachung am Folgetag, indem ich jedem Besucher ein freundliches guten Morgen bzw. guten Tag, verbunden mit einem Lächeln (wie immer) schenkte. Der Erfolg brachte mich zum Zweifeln, denn das Ergebnis war ernüchternd. Bei dreiviertel aller vertretenen Altersgruppen blieben zur Erwiderung die Lippen verschlossen. Mittags las ich dann die Zeitung und erhoffte mir eine Aufklärung meiner Probleme - mit Erfolg! Es liegt am Wetter in Deutschland! Es macht die Menschen missmutig und verdrossen, schlecht gelaunt und gereizt, laut Meinungsforschungsinstitut.

Ich war also auf dem totalen Holzweg, denn ich dachte, es liegt am Menschen selber. Das erklärte mir auch eine Beobachtung, als donnerstags die deutsche Mannschaft sich aus der EM verabschiedete und in der Halbzeit erzürnte Puplic Viewing Besucher eilig zu ihren christbaumähnlich geschmückten Autos rannten und hastig Fahnen, Winkelemente und Spiegelsocken von den Autos rissen und versuchten, unerkannt wieder zur großen Leinwand zu schreiten mit den Worten: „Na, das war doch von vorn herein klar, dass dies nüscht wird - die Rasenkasper verdienen viel zu viel Geld…“ Hatte ich da Tage vorher nicht was anders im Ohr - also doch das Wetter!

Freunde, Feinde, Urlauber und Leser unseres Blattes - so schmeckt der Sommer und sie lesen, egal wie das Wetter ist, druckfrisch die neue Ausgabe unseres Heftchens, wobei ich an dieser Stelle recht herzlich Frau Gerda Schaale danken möchte, die aufopferungsvoll viele Fäden koordiniert, damit der Ortschaftsanzeiger wieder vor ihnen liegt. Eine nicht unwesentliche Erschwernis ist unter anderem die Neusortierung meiner Buchstabensuppe, die ich hin und wieder auf den letzten Drücker abgebe (das war schon in der Schule so).

 

Viele Veranstaltungen bereicherten unser „Dorfleben“ z.B. eine Veranstaltung des „Festival Mitte Europa“, seit langen Mal wieder mit Zwischenstopp in unserem kulturellen Mittelpunkt, dem Folklorehof Grüna, wo auch unsere Oldtimerrally zum wiederholten Male gastierte. Der Mopo-Fielmanncup im Wiesengrund, die Hasenausstellung an der Turnhalle und Vereinsjubiläen (Geflügelzüchter, Posaunenchor), welche in den vergangen Tagen zünftig gefeiert wurden. Und kürzlich „90 Jahre Handball in Grüna“. Bei der Festansprache von Herrn Bengel, dem Präsidenten, wurde mir klar, wie nüchtern doch Vereinsarbeit sein kann, wenn man keine Grundlagen dafür hat - denn es fehlt seit langem schlicht und einfach an Spielbedingungen! Die Eckdaten - unsere Halle ist nicht punktspielgeeignet, man fährt sonst wohin, muss viel Geld für die Anmietung bezahlen, kann auf lange Sicht keine Arbeitsplätze bereitstellen, deshalb keine Spieler binden - aber es gibt eine hervorragende Nachwuchsarbeit!! Danke an alle, die das Unmögliche ermöglichen! Hier ist unbedingt ein gutes „Zusammenspiel“ (Kommunikation) unter den Vereinen, welche alle mit einem Ball spielen, gefragt. Ich persönlich würde mich wieder über ein Großfeldturnier im Jubiläumsjahr im Wiesengrund freuen, - ich glaube eine lösbare Aufgabe, oder?

Was bewegte uns in den letzten Wochen noch? Vermehrt wurde auf Dreckecken auf dem Hexenberg hingewiesen. Den einen Teil betraf ein städtisches Unternehmen, den anderen Teil Hausmeisterdienste - eine Klärung nicht unlösbar. Aber vielleicht ist es dienlich, einfach mal persönlich die betreffenden Personen auf Missstände (vielleicht unbeabsichtigt) hinzuweisen, anstatt den Weg über Dritte zu suchen. Ein persönliches Gespräch kann manchmal viel Wert sein.

Auch gab es Hinweise über unzureichende Absicherung an unserem „Contiloch“ an der Gartenstraße. Nach einer Vorortbegehung mit dem Tiefbauamt wurden doch tatsächlich Hobbygärtner bei der Entsorgung von diversen Abfällen an selbiger Stelle auf frischer Tat ertappt. Ja was nun? Definitiv immer große Augen … Eine Verkehrssicherungspflicht besteht nur bei Einsturzgefahr - so das deutsche Recht. Was aber bei einem Keller? Das Gelände ist in Privatbesitz, wenn auch insolvent. Es ist abgegrenzt durch munter vor sich hinspriesenden Baumbewuchs. Eine extra Einzäunung auf Privatgelände zu stellen ist rechtlich unmöglich, da diese Steuergelder in Anspruch nehmen würde für private Zwecke.

In diesem Zusammenhang möchte ich im Namen des Ortschaftsrates auch nochmals darauf hinweisen, dass bei diversen Umbauten am Haus ein Blick in unsere Baugestaltungssatzung dienlich sein könnte – siehe Beitrag in dieser Ausgabe.

Auch gibt es Bewegung an unserer ehemaligen Müllkippe am Schachtweg - nachdem dort mehrmals darauf aufmerksam gemacht wurde, dass in vorausgegangener Zeit Unregelmäßigkeiten bei der Entsorgung diverser Reste festgestellt wurden. Dieser Sache nahm sich das Umweltamt der Stadt Chemnitz an und stellte den Kontakt zum Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft Dresden her, welche sich vor Ort ein Bild machten. (Beim Anblick der Fahrgemeinschaftskolonne merkte ich nochmals, wie schlecht unsere Fernanbindung sein muss.) Nun, manches braucht seine Zeit - aber um wirklich sicher zu gehen, dass hier keine chemische Zeitbombe tickt, wird es noch weitere Untersuchungen und Bodenproben geben. Erhalten wir die Umwelt für unsere Kinder und gehen sorgsam damit um (so stand es zumindest in unseren Lehrbüchern).

Auch bei unseren Floriansjüngern bzw. bei unserer Feuerwehr gab es Veränderungen. Herr Hans Voigt wurde als Jugendwart verabschiedet. In dessen Fußstapfen trat Frau Yvonne Schau und als Stellvertreter fungiert Herr Jan Klose. Mein Dank als unmittelbarer Nachbar gilt Herrn Hans Voigt für die geleistete Nachwuchsarbeit und Ausbildung, und meinen hohen Respekt für die zu leistende Arbeit verdienen die Nachfolger-Ehrenämter, welche meistens stillschweigend und ohne Beachtung sind. Man merkt es immer erst, wenn man selbst einmal deren Hilfe beansprucht.

Freudige und traurige Ereignisse liegen eng beieinander. Traurig nahm ich die Botschaft vom Ableben von Herrn Roland Klose entgegen, welcher mehr als 50 Jahre bei der Feuerwehr in Grüna Mitglied war und durch schwere Krankheit aus dem Leben schied. Der Ortschaftsrat wird ihm in ehrendem Gedenken behalten.

Ja, ansonsten gab es mehrere Gespräche mit dem Chemnitzer Rathaus, deren Ausgang noch offen ist. Das Radwegekonzept wurde mit unseren Nachbarn aus Hohenstein-Ernstthal, Wüstenbrand und mit Vertretern der Stadt vertieft. Unser heiß geliebtes Gartenamt mit seiner Chefin Frau Herma Heinze bemühte sich nach Grüna. Es gab und gibt viele Fragen - die Antworten im nächsten Heft.

Das Erfreuliche - an unserer Forststraße gab es zumindest eine Verbesserung der Fahrbahndecke. (Hier kann man vorrübergehend nicht mehr sagen: zähle lieber die Sterne am Himmel als die Schlaglöcher)

Die Haushaltssperre der Stadt Chemnitz wurde aufgehoben – sprich: alle Vereine bekommen Ihr Geld ohne Abzug!!! Nur ich warte noch auf meinen Rechner… (lies The neverending Story in dieser Ausgabe) Aber alles wird gut!

Auch möchte ich darauf hinweisen, dass unser Taubenschlag am Folklorehof wieder im vollen Umfang natürlich komplett mit Tresen und dem notwendigen Zubehör angemietet werden kann, um Feierlichkeiten wie zum Beispiel Geburtstage, Hochzeiten, Scheidung, Vereinsfeiern einen würdigen und zugleich rustikalen Rahmen zu geben. Infos, Reservierungsmöglichkeiten und andere freundliche Auskünfte gibt es dazu im Kulturbüro des Schnitzerhäusels bei Frau Steffi Rudat.

Unseren Schulanfängern wünsche ich von Herzen einen guten Schulstart und viel Glück im neuen Lebensabschnitt - glücklicherweise gab es in diesem Jahr ja nicht solche Turbulenzen wie im vergangenem. Übrigens soll die Neuordnung der Schulbezirke nochmals auf den Prüfstand, da der Erhalt der Schulen als oberstes Ziel sehr fraglich gewesen ist.

Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einem guten Bekannten, welcher sich über meinen Gesundheitszustand den Kopf zerbrach und zu dem Schluss kam – Lutz, du musst Prioritäten setzen. Ja das ist es, dachte ich und deshalb verschwinde ich mal, wenn ihr gerade diese Zeilen lest, für paar Tage mit meiner Familie, ohne Handy … und würde mich riesig freuen, euch alle auf unserer Kirmes vom 24. bis 26.August begrüßen zu dürfen und sage denjenigen im Voraus Dank, welche uns dabei unterstützen!

Also – ich bin dann mal weg… (auch wenn ich etwas oder jemanden vergessen haben sollte - man sehe es mir nach)

Der Vorteil der Klugheit: Man kann sich dumm stellen. Das Gegenteil ist schwieriger (Kurt Tucholsky). Akzeptiert mich so, wie ich bin - Schwächen hat jeder (NELU).

Euer Lutz

 

Aber das Beste zum Schluss - unser Pfarrer in Rente, Herr Karl Heinz Lang, beging seinen 75.Geburtstag und ich war stolz wie Bolle, ihm die Hand schütteln zu dürfen, denn was er alles für Grüna getan hat und immer noch tut, war auch schon manchmal in Vergessenheit geraden. Also bleib wie Du bist, auch mit Ecken und Kanten - die braucht man (leider) heutzutage, um etwas auf die Beine zu stellen.