Neueste Enthüllung über Baumgarten:



Fliegender Oberförster ist 175 – Grüna und Gäste gratulieren


Wieder einmal war er aus dem Luftschiffer-Himmel herabgestiegen, um die Grünaer zu besuchen – dieses Mal anläßlich seiner Geburtstagsfeier, zu welcher der Heimatverein für den 21. Januar eingeladen hatte. Denn vor genau 175 Jahren war Ernst Georg August Baumgarten in Johanngeorgenstadt geboren worden. Über seinen Lebensweg, der eng mit Grüna verbunden ist und mit Dr. Friedrich Hermann Wölfert, über seine Erfindungen und sein Schicksal muß wohl hier nichts gesagt werden.

Die Ausstattung des Jubilars war durch den Friseursalon „HaarMonie“, die Maßschneiderei Ina Müller, den „Flintenbauer“ Guntram Schulz und Frau Margarethe Baumgarten gestiftet worden. Letztere nicht verwandt mit Ernst Georg, aber der Lodenmantel ihres Mannes paßte trotzdem.

Viele Grünaer und hochkarätige Gäste hatten sich trotz windigen Winterwetters um 11 Uhr am AWO-Kinderhaus Baumgarten – oder der Alten Oberförsterei – zu einer Feierstunde eingefunden, in deren Mittelpunkt die Enthüllung einer Gedenktafel stand, in kunsthandwerklicher Qualität angefertigt durch die Grünaer Firma Lorenz, und gestiftet durch die AWO, die Fielmann AG (Reiner Ewert), BMF Grüna (Ronny Bernstein), die Elsner Dach GmbH und die Klempnerei André Mai.

Enthüllung:
Baumgarten hat wieder Ärger mit dem Wind

Ein besonderer Ehrengast, Wolfgang von Zeppelin, mußte leider krankheitsbedingt (mit herzlichen Grüßen vom Bodensee nach Grüna) kurzfristig absagen. Gekommen waren unter Anderen: Günter O. Schulz (Urenkel von Dr. Wölfert), Horst Teichmann (Baumgarten-Experte), Friederica Ihling (Zeppelinmuseum Friedrichshafen), Thomas Lohse (IG Luftschiffhafen Dresden), Holger Ha­scheck (Bürgermeister von Johanngeorgenstadt), Uwe Fiedler (Direktor des Schloßbergmuseums Chemnitz, in Vertretung von Kulturbürgermeister Rochold), Dr. Gernot Kupfer (Abt.-Ltr. Forst im Grünflächenamt Chemnitz) und unser Landtagsabgeordneter Peter Patt, außerdem Nachbarn aus Mittelbach, Reichenbrand, Rabenstein und Pleißa, sowie Vertreter Grünaer Vereine und Einrichtungen.

Nachdem sich die Besucher mit einem Glühwein des Heimatvereins gewärmt hatten, eröffnete der Posaunenchor Grüna die Geburtstagsfeier, und Kinder und Erzieherinnen des Kinderhauses Baumgarten sangen ihre „Haushymne“, bevor Ortsvorsteher Lutz Neubert die Gäste begrüßte. Danach erinnerte Horst Teichmann an Leben und Werk Baumgartens, und Detlev Mühlstein sprach über die Wahrung seines Erbes in Grüna seit 100 Jahren. Jürgen Tautz, Geschäftsführer der AWO Chemnitz, beantwortete die Frage, wie denn seine Einrichtung zu diesem historischen Gebäude gekommen war.

Es folgte der Höhepunkt: die Enthüllung der Gedenktafel. Der Plan, die Grüna-Fahne mittels eines „Luftschiffs“ zu heben, wurde förmlich vom Winde verweht – was paßt besser zum Leben eines Luftschiffpioniers. So mußten Jürgen Tautz und „Baumgarten“ den feierlichen Akt von Hand vornehmen. Danach fand noch eine Führung durch die Alte Oberförsterei und den neuen Kindergarten statt.

Teil Zwei der Geburtstagsfeier war im Forsthaus Grüna, damals als Schützenhaus ein wichtiger Arbeitsort Baumgartens. Nach einer von der Fortis-Akademie erstellten Bildpräsentation über den Baumgartentag 2011 bekamen etwa 30 Teilnehmer interessante Grußworte und Beiträge zu Gehör und auch zu Gesicht: Holger Hascheck berichtete über Baumgartens Erbe in Johanngeorgenstadt, Uwe Fiedler als „bekennender Luftschiff-Fan“ spannte den Bogen von den ersten Chemnitzer Ballonfahrten bis zum „Cargo-Lifter“, Günter Schulz ging auf die Zusammenarbeit seines Urgroßvaters mit Baumgarten ein und auf Wölferts Schicksal, Thomas Lohse würdigte Baumgarten und Wölfert als Vorläufer des Zeppelin und vermachte dem Heimatverein sein wunderschönes Buch „Der Zeppelin kommt“, Dr. Gernot Kupfer beleuchtete die eigentliche Berufslaufbahn des Oberförsters mit sehr tiefgründig recherchierten Fakten, Peter Patt lobte den Heimatverein Grüna für seine Arbeit, Olaf Beyer sprach über Baumgartens Zeit in der Irrenanstalt Colditz, und Friedrica Ihling berichtete über den Platz von Baumgarten und Wölfert im Zeppelin-Museum Friedrichshafen heute und nach dem Umbau. Auch unsere Nachbarn aus Pleißa, Rabenstein und Reichenbrand überbrachten freundliche Grüße.

Alle Beiträge waren außerordentlich fundiert und gingen in sehr vielschichtiger Weise auf die Person und die Arbeit Baumgartens ein. Fröhliche Entspannung brachte ein Sketch der Gruppe „Kuchnblech“ samt dem Baumgarten-Lied in seiner Originalfassung, bevor der „Oberförster“ noch einmal auftrat und höchstpersönlich die brennenden Fragen beantwortete:
1. Wie kam der Oberförster überhaupt zum Luftschiff, und 2. warum kam am Ende der Baumgarten in die Anstalt?

Für einen gelungenen und denkwürdigen Tag danken wir allen Mitwirkenden, die zum Teil von weither angereist waren, allen Helfern und Unterstützern, insbesondere „Cheftechniker“ Walter Bunzel und Dokumentarfilmer Lothar Vieweg, und sagen Tschüß bis zum Baumgartentag am 29. September 2012.  

Fritz Stengel, Heimatverein Grüna e.V. / Arbeitskreis Baumgarten / Januar 2012